Bei Sekt und Bier
Die „Goldenen Zwanziger“ hautnah im Deutschunterricht
Von C. Maucher, 04.03.2025
„Das kunstseidene Mädchen“ steht im Abitur 2026 in Deutsch auf dem Pflichtprogramm, Literatur um 1900 sowieso – aber wie muss es sich angefühlt haben, wie Doris (die Protagonistin in Irmgard Keuns Roman) im Berlin der 1920er/30er Jahre zu leben, die Nachtszene zu erkunden und sich dort zu verlieren?!
Das konnten jetzt 17 Schülerinnen und Schüler im Deutschkurs von Frau Maucher erleben. Zuvor haben sie eine Einladung in die Bar „Zum Goldenen Adler“ erhalten, die ausnahmsweise ihre Türen schon ab 07:55 Uhr geöffnet hatte. Tanzmusik aus den „Roaring Twenties“, Videos mit ikonischen Darstellungen der Zeit und (alkoholfreier) Sekt und Bier – das war die Atmosphäre, in der es Berlin zu erleben galt. Alle Schülerinnen hatten zuvor Rollen erhalten und betraten teilweise verkleidet als Hans, der Straßenmusiker, oder Gerda, die Näherin, die Bar. Vor Ort konnten sich die Figuren aus den verschiedenen Schichten bei Kerzenschein besser kennenlernen und sich so informieren: Über die Probleme und Herausforderungen der einzelnen Figuren, die grassierende Arbeitslosigkeit, die Inflation und Wirtschaftskrise, die Mode der Zeit usw. Dazu lagen fiktive Briefe von weiteren Figuren aus, in deren Welten man eintauchen konnte, fiktive Zeitschriften, Flyer und Werbeprospekte und natürlich Gedichte, die sich mit den Herausforderungen der Großstadt mal mehr, mal weniger konkret (bzw. abstrakt) beschäftigten. Es wurde angestoßen, gefeiert und auch das Tanzbein geschwungen und das Berlin der Goldenen Zwanziger erlebt.